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Warum KI-Projekte plötzlich stocken – Kundendaten sind der Engpass im Go-Live

PoC erfolgreich, Betrieb zäh: Warum KI in Sales, Marketing und Service häufig an Identitäten, Beziehungen und Dubletten scheitert – und welche vier Hebel Kundendaten schnell KI-tauglich machen.

KI, Datenqualität, Kundendaten, Golden Record, CRM, ERP, AI Automation, AI Agents

Karsten Brand, VP Marketing
6 Min.
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Worum es hier geht – und worum nicht

Bevor wir über „KI-Probleme“ sprechen, zwei klare Abgrenzungen:
Dieser Beitrag handelt nicht von Material- oder Produktdaten (z. B. Stücklisten, Produktionsparameter) und nicht von Sensorik/IoT, Computer Vision oder KI „an der Maschine“.

Es geht um den Bereich, in dem KI in Unternehmen am häufigsten im Alltag hängen bleibt: Kunden- und Organisationsdaten – also Accounts, Hierarchien, Standorte, Ansprechpartner, Verträge und deren Beziehungen über CRM, ERP und Service-Systeme hinweg.

Warum das so entscheidend ist: KI soll in Business-Prozessen nicht nur „Antworten generieren“, sondern zuordnen, entscheiden und handeln. Und dafür braucht sie Daten, die im Betrieb eindeutig und konsistent sind.

PoC top – Go-Live zäh: Das Muster, das wir gerade überall sehen

Viele KI-Initiativen starten stark: Proof of Concept, Pilot, erste Demos. In dieser Phase werden Datenlücken oft stillschweigend überbrückt: jemand ergänzt Felder, mappt IDs, bereinigt Dubletten „für den Test“.

Beim Go-Live ändert sich das Spiel. Die KI trifft auf die echte Datenlandschaft – und aus „automatisiert“ wird „Ausnahmeprozess“.

Eine BARC-Umfrage („Lessons from the leading edge“, 408 Befragte) unterstreicht diese Realität: 44% nennen Datenqualität als KI-Hindernis – gegenüber 19% im Vorjahr.

Woran man es merkt: Wenn „triviale“ KI-Aufgaben scheitern

Gerade die scheinbar einfachen Automationen entlarven das Problem am schnellsten:

Beispiel 1: Support-Zusammenfassung
„Erstelle eine Zusammenfassung: Wer ist der Kunde, was ist passiert, was ist offen?“ (CRM + Ticket + ERP)
Klingt simpel – bis CRM, Ticket-System und ERP unterschiedliche Kunden-Realitäten haben.

Beispiel 2: Ticket korrekt zuordnen
„Öffne ein Ticket und ordne es dem richtigen Kunden, Standort und Vertrag zu.“ (Ticket-System + CRM + Vertragsdaten)
Funktioniert nur, wenn Kunde/Standort/Vertrag eindeutig und konsistent verknüpft sind.

Das Ergebnis ist immer ähnlich: KI wird nicht zur Entlastung, sondern zur Quelle von Rückfragen, Korrekturen und Misstrauen.

Warum gerade Kundendaten so kritisch sind

Kunden- und Organisationsdaten sind in vielen Unternehmen gleichzeitig geschäftskritisch, verteilt und historisch gewachsen:

  • geschäftskritisch (Pipeline, Umsatz, Service-Level, Abrechnung)
  • verteilt (CRM, ERP, Service, Marketing-Tools, Excel)
  • organisch gewachsen (M&A, Regionen, unterschiedliche Prozesse)
  • beziehungsgetrieben (Account ↔ Organisation ↔ Standort ↔ Vertrag ↔ Ansprechpartner)

KI kann mit „unvollständig“ oft umgehen. Mit „widersprüchlich“ und „nicht eindeutig“ deutlich schlechter – besonders, wenn die KI Aktionen in Prozessen auslösen soll.

Die häufigsten Ursachen in der Praxis

Bei Kunden-/Organisationsdaten sehen wir immer wieder dieselben Muster:

  1. Fehlende Informationen
    Leere Pflichtfelder, fehlende Ansprechpartner, unvollständige Stammdaten
  2. Falsch befüllte Felder
    Branche/Region/Segment „irgendwie“ gepflegt → schlechte Ableitungen
  3. Daten in Silos
    CRM sagt A, ERP sagt B, Service sagt C → keine klare „Quelle der Wahrheit“
  4. Kein einheitliches Datenmodell
    Gleicher Begriff, andere Bedeutung (Account/Kunde/Standort/Mandant)
  5. Dubletten & widersprüchliche Zuordnungen
    „Wer gehört zu wem?“ → genau hier kippen KI-Prozesse

Der Kern: KI braucht ein „betriebsfähiges Umfeld“

Ein Satz von  Shawn Rogers & Merv Adrian (BARC) bringt es auf den Punkt:

“AI success isn’t about building a single great model. It’s about building an environment where great models can thrive.”

Für KI in Business-Prozessen heißt dieses Umfeld vor allem: Identitäten, Beziehungen, Vollständigkeit – plus laufende Kontrolle im Betrieb.

Vier Säulen, die KI-Prozesse stabil machen (Fokus Kundendaten)

1) Eindeutige Identitäten (Golden Record)

KI muss entscheiden können: Ist das derselbe Kunde – ja oder nein?
Dazu braucht es Regeln für Matching, Konsolidierung und klare Prioritäten von Quellen.

Praktische Leitfrage:
Welche Datensicht gilt als „Kunde“ – und nach welchen Regeln?

2) Klare Beziehungen & Hierarchien

Kunde ↔ Organisation ↔ Standort ↔ Vertrag ↔ Ansprechpartner
Wenn diese Beziehungen fehlen oder inkonsistent sind, wird jede Automatisierung fehleranfällig.

Praktische Leitfrage:
Welche Beziehungen müssen für unsere Kernprozesse immer stimmen?

3) Vollständigkeit dort, wo es wirklich zählt

Nicht „alles perfekt“, sondern: Die wenigen kritischen Felder, die Prozesse tragen, müssen zuverlässig sein (z. B. Vertrag, Standort, Zuständigkeit, Status).

Praktische Leitfrage:
Welche 10–20 Felder entscheiden über 80% unserer Prozessqualität?

4) Quality Checks & Monitoring als Standard im Betrieb

Datenqualität ist kein einmaliger Frühjahrsputz. Wenn KI läuft, muss Qualität messbar und überwachbar sein: Dublettenrate, Pflichtfeld-Füllgrade, Konsistenzregeln, Drift.

Praktische Leitfrage:
Woran merken wir in 2 Wochen, dass die Daten wieder kippen?

Smart statt Mammutprojekt: So kommen Sie ins Handeln

Der häufigste Fehler ist: „Wir müssen erst alle Daten bereinigen.“ Das dauert – und blockiert Wertschöpfung.

Pragmatischer ist ein KI-naher Ansatz:

  1. 1–2 Prozesse auswählen, die KI stabil unterstützen soll (z. B. Ticket-Triage, Account Insights, Lead Routing)
  2. Schlüsselfelder + Beziehungen ableiten (Critical Data Elements)
  3. Status quo messen (Vollständigkeit, Dubletten, Konsistenz, Quellkonflikte)
  4. 1–2 Hebel umsetzen, die den größten Effekt haben (meist Golden Record + Beziehungsmapping)
  5. Monitoring etablieren, damit es im Betrieb stabil bleibt

So entsteht schnell sichtbarer Nutzen – und KI bleibt im Alltag zuverlässig.

Mini-Check: Datenproblem oder Modellproblem?

Wenn Sie bei mehreren Punkten nicken, lohnt der Blick in die Kundendaten:

  • KI kann Kunden/Standorte/Verträge nicht eindeutig zuordnen
  • Dubletten oder widersprüchliche Account-Strukturen sind normal
  • zentrale Beziehungen fehlen (z. B. Standort ↔ Vertrag ↔ Ansprechpartner)
  • CRM/ERP/Service liefern unterschiedliche Wahrheiten
  • KI-Automationen enden regelmäßig im manuellen Ausnahmeprozess

Fazit

Wenn KI in Business-Prozessen „plötzlich“ stockt, liegt das häufig nicht an der KI. Es liegt daran, dass Kundendaten nicht eindeutig, nicht verknüpft oder nicht betriebssicher überwacht sind.

Die gute Nachricht: Die größten Fortschritte kommen oft aus wenigen, klaren Hebeln: Golden Record, Beziehungen/Hierarchien, kritische Vollständigkeit und Monitoring.

Was Sie sofort tun können

Möchten Sie wissen, welcher Datenhebel bei Ihren Kunden-/Organisationsdaten den größten Effekt hat?
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